PARADISE: Anti-Doping-Kontrolle 4.0

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Anti-Doping 4.0 für sauberen Sport

Doping bei den Olympischen Spielen – Die Vorschriften der nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) sind strikt: Rund um die Uhr und sieben Tage die Woche dürfen Kontrolleure deutschen Topathleten Blut- und Urinproben abnehmen. Dazu müssen sie stets Bescheid wissen, wo sich die Sportler befinden. Diese und noch wesentlich mehr personenbezogenen Daten landen alle in einer gemeinsamen Datenbank. Privatsphäre und Datenschutz werden dabei allerdings vernachlässigt.

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Mehr Privatsphäre für Sportler

Auch den Marathonzwillingen, Anna und Lisa Hahner, sind die Methoden der NADA vertraut. Wie so eine Dopingkontrolle aussieht, beschreiben die beiden auf ihrer Homepage: „Eigentlich ist das Testzeitfenster zwischen 6 Uhr morgens und 23 Uhr abends. Eigentlich.“ Statt spätestens 23 Uhr klingelte die NADA allerdings um halb eins in der Nacht. Den Umständen entsprechend kann sich solch ein Test von 20 Minuten auf bis zu vier Stunden ausdehnen – egal, ob am nächsten Tag ein wichtiger Wettkampf ansteht. Wer nicht antritt riskiert bereits beim zweiten Versäumnis (missed test) eine Sperre von drei Monaten. 14.000 Tests jährlich verlangen nun mal ständige Erreichbarkeit von den Sportlern.

Für Privatsphäre bleibt dabei kein Platz. Jederzeit haben Kontrolleure Zutritt zu den privaten Wohnungen der Topathleten, darunter auch Deutschlands bester Langstreckenläufer Arne Gabius. Die Kontrolleure untersuchen Unterwäsche, Kleidung und Körper der Sportler und begleiten sie dabei so lange, bis diese eine Urinprobe abgeben können. Für Gabius sind das „Auflagen, die selbst vorzeitig entlassene Straftäter auf Bewährung nicht kennen.“ Wie auch aus anderen Athleten, die Aufenthaltsort sowie Wohnort von Familie und Freunden an das System melden müssen, machen die ständigen Untersuchungen und Meldepflichten aus ihm einen gläsernen Menschen.

Führende Datenschützer kritisieren die Anti Doping Kontrollprozesse der NADA als intransparent, unverhältnismäßig und wahrscheinlich nicht mit dem deutschen Datenschutzrecht vereinbar. Sie fordern deshalb Nachbesserungen. Auch wehren sich die wenigsten Spitzensportler trotz fehlender Datensicherheit und lästigen Kontrollen dagegen. Was sie jedoch wollen, ist eine datenschutzgerechtere Ausführung der Maßnahmen für einen fairen und sauberen Sport.

Das Projekt Paradise

Das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt „Privacy-enhancing And Reliable Anti-Doping Integrated Service Environment (PARADISE)” soll da Abhilfe schaffen. Es verfolgt das Ziel, die persönlichen Daten der Sportler zu schützen und die Anti-Doping-Kontrollprozesse zu vereinfachen.

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Ein Konsortium aus

  • den Fraunhofer-Instituten für Angewandte und Integrierte Sicherheit (AISEC) und für Angewandte Informationstechnik (FIT),
  • dem Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz (ULD),
  • der Technischen Universität Berlin,
  • der Gesellschaft für Kommunikation und Kooperation (gekko GmbH) sowie
  • des IT-Sicherheitsdienstleisters Uniscon

will eine auf den konkreten Kontrollvorgang limitierte, gleichzeitig aber sehr präzise, dynamische Lokalisierung der Top-Athleten erreichen. Bevor ein Kontrolleur aber auf die vom Athleten bereitgestellte Information zugreifen kann, bekommt er die Zugriffsrechte – und zwar durch zwei Autorisierungen: eine durch die NADA und eine durch den jeweiligen Sportler. Damit letzterer sicher sein kann, dass seine Daten vor unbefugtem Zugriff geschützt sind, werden “die Kontrollergebnisse in der Sealed Cloud abgespeichert” – einer Infrastruktur, die den Inhalt der Prozessdaten selbst vor den Betreibern der Infrastruktur rechtssicher verwahrt.

Um welche Daten geht es genau?

Drei Monate im Voraus, also im Fall der Olympischen Sommerspiele 2016 seit Anfang Mai, führen die deutschen Sportler ein Online-Tagebuch darüber,

  • wann und wo sie genau anzutreffen sein werden,
  • wie ihr Trainingsplan aussieht und
  • welche privaten und beruflichen Termine anstehen

Diese Daten sollen bei PARADISE so optimiert sein, dass die Kontrolleure die Sportler schnell und punktgenau finden können. Wichtig sei dabei aber laut der Projektleitung, dass nicht irgendwelche unautorisierten Parteien unverhältnismäßig viele Daten der Sportler einsehen können.

Was allen Beteiligten klar sein dürfte: Anti-Doping-Kontrollen und Digitalisierung geht nur mit besserem Datenschutz! Zurzeit werde aber “in Persönlichkeitsrechte von Athleten derart eingegriffen, dass für mich eine Grenze erreicht ist”, befindet der renommierte Sportrechtler, Michael Lehner. Die Kanutin Carolin Leonhardt drückt es der Tageszeitung Die Welt gegenüber direkter aus: “Was man sich alles gefallen lassen muss, ist schon abartig. Da darf man nicht zimperlich sein!”

Ja, schon! Anti-Doping-Kontrollen darf tatsächlich kein Sportler umgehen, wenn wir sauberen Sport wollen. Nur – Persönlichkeitsrechte von Athleten gilt es trotzdem zu wahren!

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