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8. 06 2012

Gläsern im Web: „Die Entwicklung kann erschreckende Züge annehmen“

München, 08. Juni 2012. Datenschützer schlagen Alarm: Die Schufa möchte zukünftig auch Facebook-Nutzer durchleuchten, um sie auf Kreditwürdigkeit zu prüfen.(1) Dies wäre ein weiterer Schritt hin zum viel beschworenen „gläsernen Bürger“ und ist ein deutliches Warnsignal für jeden, mit seinen privaten Daten im Web extrem vorsichtig umzugehen. Ohnehin geben wir bereits sehr viel von uns preis, wenn wir im Internet surfen. Datensammler beobachten, wohin wir uns online bewegen und was wir dort tun. Über das Thema „Komfort & Privatsphäre im Web 2.0“ diskutierte daher auch eine Expertenrunde am 6. Juni in München. Rund 160 Besucher kamen zu der Veranstaltung, die Studenten der Technischen Universität organisiert hatten.

 

Müssen Internetnutzer es in Kauf nehmen, dass sie sich quasi nackt im Netz bewegen? Welche Gefahren sind damit verbunden? Und wie kann man die Kontrolle über seine Privatsphäre im Web zurückgewinnen? Über diese und ähnliche Fragen diskutierten am 6. Juni an der TU München Stefan Körner (Vorsitzender der Piratenpartei, Landesverband Bayern), Dr. Ralf Rieken (Geschäftsführer Uniscon GmbH), Thomas Kranig (Präsident des Bayerischen Landesamts für Datenschutzaufsicht), Dr. Heinz van Deelen (Geschäftsführer Consline AG) und Christian Sauer (Geschäftsführer Webtrekk GmbH).

 

Die Risiken des Web 2.0 fasst Dr. Ralf Rieken so zusammen: „Wir müssen uns bewusst sein, dass alle Daten, die wir im Netz hinterlassen, uns immer transparenter machen. Das ist so, als wenn jemand bei uns im Wohnzimmer sitzt und genau weiß, was wir dort tun, und sogar, was wir dort sprechen. Wir stehen am Anfang einer Entwicklung, die erschreckende Züge annehmen kann. Wenn die Daten, die wir hinterlassen, alle zusammen gebracht werden, sind wir absolut gläsern. Wo wir heute bereits vorsichtiger sein sollten, ist bei Google und Facebook. Alle Daten, die wir in sozialen Netzwerken hinterlassen, können uns ganz persönlich zugeordnet werden und darüber hinaus scannen diese Unternehmen auch unsere Bewegungen im Netz, die ebenfalls unserem Anwenderprofil zugeordnet werden.“

 

Die Idee der Schufa geht genau in die Richtung, vor der Rieken warnt: Sie plant, den Freundeskreis sowie Postings auf Facebook & Co. hinsichtlich der Zahlungsmoral der Nutzer auszuwerten. Diese Daten ließen sich dann mit den bisherigen Schufa-Daten kombinieren, etwa Kontoeröffnungen, Kreditverträge oder Informationen von Telefonanbietern. Bisher nur verstreut verfügbare Daten würden durch die Schufa also zusammengeführt, egal ob sie das Privatleben oder Geschäftsbeziehungen betreffen. Der Nutzer muss daher selbst dafür sorgen, dass er die Kontrolle darüber behält, was das Internet über ihn weiß und was privat bleibt.

 

(1) http://www.spiegel.de/netzwelt/web/schufa-will-kreditdaten-bei-facebook-sammeln-a-837454.html

 

Druckfähiges Bildmaterial von der Podiumsdiskussion erhalten Sie auf Anfrage bei presse@uniscon.de